Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

31.7.05

"Emma" gegen Ehrenburg?

Im redaktionellen Beitrag der Zeitschrift "Emma" (Juli/August 2005) geht es u.a. um die Verarbeitung der Vergewaltigungen, die deutsche Frauen 1945 durch Soldaten der Sowjetarmee erlitten haben. Ein schwieriges Thema. Im Beitrag wird der Film und die Dokumentation ‚BeFreier und Befreite‘ von Helke Sander ausführlich vorgestellt, sogar die maßgebliche Kritik von Gertrud Koch ("Frauen und Film", H.54/55, S. 3-14) wird erwähnt.

Tja, leider nur erwähnt. Die meisterhafte, vorbildliche Analyse von Gertrud Koch wird als "polemisch" abgelehnt, der Film bekommt den Rang eines "besonders mutigen und differenzierten". Das sieht nicht gut aus, eher bedauerich.

Und als wäre es nicht genug, wird eine Nazi-Fälschung eins zu eins übernommen: Ohne anzuzweifeln, ohne eine Quelle zu benennen, wird gesagt, am Ende des Krieges oder am Anfang des Krieges [- dieses folgende "damals" bleibt unausformuliert -] habe "damals Chefideologe Ilja Ehrenburg die russischen Soldaten in den ersten Tagen und Wochen regelrecht auf: 'Schändet die Frauen des Feindes!'" aufgefordert.

Thomas Urban ist in der "Süddeutschen Zeitung" vom 14.4.2005 ausführlich dieser Fälschung auf die Spur gekommen. Es ist nachweislich eine Nazi-Fälschung. Wie Historiker des Instituts für Zeitgeschichte München festgestellt haben, hat Ehrenburg das weder zu Beginn noch am Ende des Krieges gesagt. Ein Chefideologe war er übrigens auch nie.

Weiß die Zeitschrift "Emma" das alles nicht? Oder will es nicht wissen?

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