Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

2.8.05

Die meisten Deutschen?

Richard Herzinger behandelt in seinem Weblog eine typische Unfähigkeit der Politiker mit Vergangenheitsvergleichen umzugehen. Er geht von einem aktuellen Beispiel (SPD-Politiker Stiegler: "Arbeit macht frei"-Vergleich) aus und erinnert die Leserschaft an mehrere ähnliche Ausrutscher, die so regelmäßig und so "paritätisch auf alle Lager verteilt" sind, daß man sie "unmöglich als blosse Verirrung betrachten kann."
Sein Fazit: "Naziverdächtig ist immer nur der unliebsame Kontrahent. Nach diesem Muster haben die Deutschen ja schließlich in den vergangenen sechzig Jahren erfolgreich ihre Vergangenheit bewältigt: Die Nazis waren ganz furchtbar, darüber waren sich jetzt fast alle einig. Nur waren die Nazis eben die anderen."

Der Text Herzingers steht nicht nur in seinem Weblog, sondern (ursprünglich) in der Zeitung "Jüdische Allgemeine". Dabei ist der Autor der Deutschland-Korrespondent der Züricher Weltwoche.

Es beginnt mit einzelnen Politikern, die sich in ihren Äußerungen auf dem Stammtischniveau bewegen, dann werden die "meisten Deutschen" kritisiert. Zuletzt seien "die Deutschen" unfähig gewesen, ihre Vergangenheit zu bewältigen.
Und das in einer jüdischen Zeitung in Deutschland. Sollen Juden packen?
Warum nicht in der "Weltwoche"? Warum sieht der Korrespondent die Situation so schwarz, daß er ihre Beschreibung der "großen" deutschen Presse nicht zumutet?
Und: Gibt es keine andersdenkenden Deutschen? Bekam der unsägliche "Untergang"-Film den höchsten deutschen Preis?
Wird hier möglicherweise nur skandalisiert? Sind heutige Deutsche in seinen Augen immer noch die Nazis von damals?
Hat der Korrespondent ein ausgewogeneres Bild gemalt als die von ihm kritisierten Politiker?

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