Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

17.6.06

Was denkt "Die Zeit" über ihre Vergangenheit?

In dem neuesten Heft der Wochenzeitung "Jungle World" wird ein Sammelband vorgestellt - mit dem Titel »Deutsche, Juden, Völkermord«. Anton Landgraf erzählt über Texte, kommentiert sie, referiert vorgestellte Schicksale. Am Ende des Artikels wird ein Erwin Ettel, SS-Brigadeführer und Nahost-Experte im Auswärtigen Amt, erwähnt:

»In dem Kampf Deutschlands gegen das Weltjudentum fühlten sich die Araber mit Deutschland auf das Engste verbunden«, fasste dieser seine Gespräche mit Husseini zusammen. [...]

Husseini initiierte die Aufstellung einer muslimisch-bosnischen Waffen-SS-Division und konnte nach dem Ende des Krieges nach Kairo fliehen. Spä­ter wurde er Finanzier der im Jahr 1959 gegründeten Fatah und setzte 1968 Jassir Arafat inoffiziell als seinen Nachfolger ein.

Eine erstaunliche Karriere gelang zudem seinem früheren Betreuer in Berlin, die Frank Bajohr in dem Aufsatz mit dem Titel »Erwin Ettel – vom SS-Brigadeführer zum außenpolitischen Redakteur der Zeit« beschreibt.

Ettel konnte nach dem Krieg einige Jahre untertauchen, um Anfang der fünfziger Jahre unter dem Namen Ernst Krüger als außenpolitischer Redakteur bei der Wochenzeitung Die Zeit angestellt zu werden – mit Hilfe von Kontakten im Auswärtigen Amt, wie Bajohr vermutet. Sechs Jahre lang schrieb Ettel unter falschem Namen für die Zeitung, insbesondere über den Nahen Osten und die USA. Seine Ansichten brauchte er dafür nicht zu ändern, wie der Überschrift eines Artikels von ihm zu entnehmen ist: »Unverträgliches Israel«.
Ist es kein Skandal für "Die Zeit"? Kommt eine Reaktion von der Redaktion?

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