Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

11.7.06

Umzug

Infolge vieler Unstimmigkeiten habe ich den Blog auf Wordpress umgestellt und werde weitere Texte dort platzieren. Vorerst sieht der Rahmen ziemlich klinisch aus. Na ja, wir wollen uns zuerst mal auf Inhalte konzentrieren. :-)
Also der Link ist:

http://sebew.wordpress.com

Ich bitte hiermit alle meine Leser, ihre Links zu bearbeiten. Noch bitte ich, weitere Kommentare ab nun im Blog bei Wordpress zu schreiben!

Der Name "Sendungsbewusstsein" bleibt, Kategorien werden erweitert. Der Nickname musste von peet_g auf peetgp geändert werden. Habe ich etwas vergessen?

Update: Neue Artikel
Zwei Filmchen aus dem Krieg
Die wiederhergestellte Ehre der Anne Frank
Tagesschau macht mit - Beirut sei Dresden
Krieg gegen Israel 7
Krieg gegen Israel 6
Inzwischen in Bremen
Krieg gegen Israel 5
Krieg gegen Israel 4
Krieg gegen Israel 3
Stefan Raab als Spiegel der Nation
Zwei Gedanken
Krieg gegen Israel 2
Krieg gegen Israel 1
Pro Nolte oder contra Habermas?
Iran im Hintergrund
Pretzien weitet sich aus

9.7.06

Noch kein Kommentar

Die ungewöhnlich durchdachte und absolut überzeugende Reaktion der Landesregierung Sachsen-Anhalts äußert sich in weiterem Schweigen, das Dorf Pretzien steht hinter seinem Bürgermeister wie es sich gehört. Drei Presseberichte und ihre Wirkung sollen hier vorgestellt werden.

In der Zeitschrift "Fokus" kann man einen ruhigen Beitrag über die Abläufe und die Reaktion im Dorf lesen. Alexander Wendt zitiert darin zum Beispiel diesen Bürgermeister:

Wie viele aus dem Ausland zugezogene Leute gibt es eigentlich in Pretzien, Herr Bürgermeister? „Eine“, antwortet Harwig. „Eine Brasilianerin, die hierher geheiratet hat.“ „Aber wenn sie jemand von hier geheiratet hat, dann wird sie doch automatisch auch Deutsche?“ Harwig schweigt und sieht zur Seite, als läge dort irgendwo ein Spickzettel mit der richtigen Antwort.

„Das sieht wohl nicht jeder im Dorf so?“ „Nein, sagt Harwig, „das sieht nicht jeder im Dorf so...“ „Aber hätten Sie nicht an diesen Sprüchen über Ausländer merken müssen, wo Ihr Vereinskamerad politisch steht?“Wieder eine Pause.

Und dann sagt der Wahlbeamte Friedrich Harwig die Sätze, die mehr erklären als hundert Kilo Forschungsberichte über die gottverlassene ostdeutsche Provinz: „Wie hätte ich bei den Sprüchen darauf kommen sollen, dass er in der NPD ist? Wissen Sie, diese Ansichten über Ausländer finden Sie hier auch bei ganz gestandenen Unternehmern.“

Im ländlichen Sachsen-Anhalt liegt der Ausländeranteil bei zwei bis drei Prozent. Wer hier mit dunklerer Hautfarbe lebt als andere, der muss ausgefeilte Sicherheitsstrategien entwickeln. Sonst geht es ihm wie dem Jungen in Pömmelte, einem Dorf ganz in der Nähe von Pretzien.

Weil der 12-Jährige als Sohn eines Äthiopiers etwas anders aussah als die Einheimischen, prügelten ihn Rechtsradikale aus dem Ort 90 Minuten lang, brachen ihm die Nase und drückten Zigaretten auf seinem Augenlid aus. Niemand in Pömmelte sah etwas. So, wie auch die Honoratioren von Pretzien nicht wahrnehmen, was sie nicht wahrnehmen wollen, und Rechtsradikale eingemeinden, als ginge es um einen Anglerverein.
Bemerkenswert sind ausserdem die Leserkommentare, die fast ausschliesslich stark gebräunt aussehen und ihre Farbe gar nicht verstecken. Vox populi, sozusagen.

Die israelische "Haaretz" bringt am 6.7. einen kurzen Beitrag von der Presseagentur Associated Press. Böhmer schäme sich, der Heppener glaube an das Gute. Die Zeitung wundert sich nicht, keine Empörung, nach dem Motto - nichts Neues... Viele amerikanische Zeitungen geben den Artikel von Reuters weiter, der von Dave Graham am 7.7. ins Netz gestellt wurde. Alles richtig, eine klare Zusammenfassung, auch keine Emotionen in Sicht. Nur das eine habe ich nicht verstanden:
This act was beneath contempt and could scarcely have been more primitive," the German Interior Ministry said in a statement to Reuters.
Wenn es der bekannte Freund der Blonden und Blauäugigen ist, dann würde ich gerne wissen, warum er den schwerwiegenden und folgensschweren Satz so verstohlen und unter einer so hohen Geheimhaltung sagt, so dass nur der wilde Westen davon etwas mitkriegt?

Fotos und Unterschriften

Meryl Yourish führt in ihrem Blog einen erbitterten Kampf gegen die antiisraelische Propaganda. Ihr bissiger Ton erinnert mich stark an Henryk Broder. Ihre Beiträge inspirieren zu weiteren Recherchen, decken auf. Ein Beispiel:

Zu mehreren Fotos des preisgekrönten Fotographen David Guttenfelder hat sein Arbeitgeber, die AP, fast identische Unterschriften gestellt, die erstens zu deren Inhalten nicht passen und zweitens mit der Realität nichts zu tun haben. Auf den Fotos sind erschrockene herumlaufende Palästinenser zu sehen, im Hintergrund umgeben von Explosionen. Die AP sieht darin immer dasselbe:

Palestinian youths take cover from Israeli sniper fire during an Israeli army incursion in Beit Lahiya, in the northen Gaza Strip, Friday July 7, 2006.
Mich würde sehr interessieren, was der Fotograph dazu denkt. Ob seine mail-adresse herauszufinden ist?

Nehmen wir also die Methode der AP als Vorbild. Und erfinden Unterschriften, wie es gerade passt. Das ginge wohl so:

Das palästinensische Volk beginnt zu verstehen, was die Hamas ihm bringt.

Ein israelischer Soldat schiesst sich durch


Bild der Zerstörung

Zum Schluss noch ein bisschen Statistik: Von 292 Fotos auf der Seite der Yahoo-News zeigen nur 2 (zwei!) ähnliche Fotos das Bild der Zerstörungen, die durch die Kassam-Raketen entstehen. Die Gegenüberstellung funktionert fehlerfrei - einerseits fast 290 Fotos, die Zerstörungen auf der palästinensischen Seite zeigen, andererseits ein solches Foto:


Wir sehen auf dem Foto nämlich keine Zerstörungen und verstehen nicht, warum denn Israelis überhaupt so viel Angst vor diesen Spielzeugen haben, weswegen sie so "überreagieren". So arbeitet die Associated Press, unterstützt von Yahoo News.

8.7.06

Verniedlichung mit Tränen

Die ersten Berichte über die Bürgerversammlung im Dorf Pretzien sind durch die Zeitungen gegangen.Der empfindsame Pastor, der weinende Bürgermeister, die mutige Mitarbeiterin vom Ordnungsamt Schönbeck, die ganz privat das Verbrennungsfest beendet hat, weil zu viel getrunken wurde, all diese Figuren, inklusive der drei Neonazis, die immer wieder als Jugendliche verniedlicht werden, sind für einen Politroman einer Anna Seghers wie erschaffen.

Zuerst ein paar Zitate. Am ausführlichsten beschreibt Deike Diening die Lage im Dorf:

Der Pfarrer für die Dörfer Pretzien und Gommern, Alexander Holtz, leitet die Versammlung. Er will, dass alle ihre Stühle zu einem Kreis zusammenstellen. In die Mitte die Pretziener, am Rand die Medien. Jeder soll heute alles sagen dürfen. In die Mitte stellt er „ein Licht für die Hoffnung, die uns verbindet, und ein Glas Wasser für die Klarheit, die wir jetzt brauchen“.

„Drei junge Männer haben mit ihrer Tat unser Gemeinwesen beschmutzt“, sagt er. Und: „Manche von uns hätten wissen müssen, dass hier eines Tages so etwas passiert.“ Doch es solle niemand verurteilt werden heute. Sie wollen sehen, ob sie noch ein Dorf sind, trotz allem. Deshalb sind sie hier. Und dann wird die Gemeinde zu einem vielstimmigen Chor.

„Ich bin schockiert über die Tat, aber froh, dass so viele Bürger hier zeigen, dass wir nicht damit einverstanden sind“, sagt jemand. – „Ich verurteile die Tat, aber auch die, die unser Dorf verurteilen“, ruft einer. – „Haben nicht beim Hochwasser die Jugendlichen mitgekämpft?“, erinnert jemand. – „Wenn die Jugend geht, ist die Zukunft weg!“ – „Denkt mal an den Fasching, das haben sie super gemacht!“

Also, erhebt sich einer, er wolle jetzt nur einmal sagen, dass bei der Verbrennung auch von Gästen Beifall kam. – „Die Verniedlichung fängt schon damit an, dass wir immer von Jugendlichen reden. Es handelt sich um Männer von 24, 27 und 28 Jahren, die sind für ihre Taten verantwortlich“, sagt ein anderer.

Und dann steht Bürgermeister Friedrich Harwig auf. Harwig, der nicht reagiert hat, als das Feuer auch an seiner Ehre fraß. Er hat einen Schnurrbart und Kopfschmerzen. „Ich habe mit hier draußen gestanden“, sagt Harwig. „Kameras aus!“ brüllt einer. „Von klein auf weiß ich, dass es das Schlimmste ist, wenn Bücher verbrannt werden, und als ich dann noch hörte, es war das Tagebuch …“ Er stockt. „Ich habe von diesem Moment an neben mir gestanden.“ In seiner Zeit als Bürgermeister hätten immer mehr Menschen zu ihm Vertrauen gewonnen. Auch „diese jungen Menschen“ hätten Vertrauen gewonnen. „Aber man kann Menschen ändern“, sagt er und: „Wenn man mich heute fragte: Ich würde wieder versuchen, die Jugendlichen herbeizuziehen.“

Die Stimmung ist gespannt. Allen, auch dem Pfarrer, fällt das Reden schwer. „Entweder wir reden miteinander, oder wir schlagen uns die Köpfe ein“, sagt er. „Aber die Köpfe haben wir uns in Deutschland schon einmal eingeschlagen.“

Silvia Franke, 48 Jahre, weißer Rock und goldene Creolen, könnte die Heldin sein. Sie hat bei dem Fest schnell reagiert. Sie hat das Mikro ergriffen und ihren Austritt aus dem Heimatbund bekannt gegeben, in den sie erst acht Wochen zuvor eingetreten war. Dann hat sie das Fest beendet. Als die Staatsanwaltschaft kam, da habe sie auch nicht so getan, als wisse sie nicht, wer es gewesen sei, wie so viele andere im Dorf. Das sei ja albern. Jetzt aber sagt sie: „Die Jugendlichen aus dem Bund haben viel für den Ort getan. In all den Jahren konnte ich nicht feststellen, dass diese jungen Leute innerlich dieser Überzeugung anhängen.“ Letztlich seien sie doch die Einzigen gewesen, die etwas Schwung in den Ort gebracht hätten. Vielleicht sei sie naiv gewesen. Aber es sei scheinheilig von den Pretzienern, die jetzt sagen, sie hätten es ja immer gewusst. Und es stimmt, sie arbeite beim Ordnungsamt Schönbeck, aber dort habe sie gerade Urlaub. Nicht „das Ordnungsamt“ habe deshalb das Fest beendet, sondern sie, Silvia Franke, ganz privat. [...]

Immer wieder erheben sich Stimmen, die Jugendlichen sollen endlich selber reden. „Das können wir nicht verlangen“, sagt der Pfarrer. „Wir können sie nur bitten.“ – Schweigen. „Es wird ihnen eventuell helfen.“ – Schweigen. Ein älterer Mann erhebt sich. Das Problem seien die Medien. Die Beteiligten würden sprechen, wenn nicht die Presse im Raum wäre. Es sei dann doch eine Angelegenheit der Bürger untereinander.

Einer springt auf und geht durch die Reihen. Es ist ja ganz angenehm, wenn man wieder weiß, wer der Feind ist. „Da ist noch einer“, sagt er. „Los, raus.“ – „Die haben jetzt bloß ihre Stifte weggesteckt.“ – Die Medien, denen sie eben noch vorgeworfen haben, nie genug zu recherchieren, werden rausgeschickt. Die Türen schließen sich. „Da filmt noch einer durch die Glastür!“ Dann Schweigen.

Er solle besser im Sitzen reden wegen der Kameras vor dem Fenster. Die Leute des Dorfes wenden nicht die Köpfe, sie gucken nach vorne und nach unten. Vermutlich wissen ohnehin alle, wer jetzt spricht. Die Stimme hat den Stimmbruch schon lange hinter sich. Sie haspelt etwas, dann entschuldigt sie sich für die Tat, bei dem Dorf Pretzien, dem Schaden entstanden sei. Und sie entschuldigt sich bei ihrem Bürgermeister, Friedrich Harwig. Ihre Verfahren jedoch, die seien schwebend, weshalb man weiter nichts sagen könne.

Das war’s. Nichts zur Tat. Keine Reue.

Pfarrer Holtz ist ein lauterer Mensch. Wer mit ihm redet, hat das Gefühl, direkt mit seinem Gewissen zu sprechen. Dumpf und ohnmächtig kam ihm die Versammlung vor. Voll unterschwelliger Aggression. Jetzt, in seiner Rolle als Privatmensch, kann er das sagen. „Die waren ja alle auf Linie gebracht – es ging darum, den Bürgermeister zu schützen.“ Niemand habe sich wirklich geöffnet.

„Die Leute hier haben die Nazis marschieren sehen, und dann die FDJ, die machen vieles mit. Die wollen eigentlich nur ihre Ruhe.“ Vor einiger Zeit wollte Holtz einmal im Nachbarort Gommern rechte Plakate entfernen. Das sei gefährlich, bedeutete man ihm. Gefährlich? [...]

Harwig hat häufig Kopfschmerzen. „,Stirb langsam‘ – kennen Sie den?“, fragt er. So fühlt er sich. Harwig hat schon wieder ein schlechtes Gefühl, das Gefühl, sich um Kopf und Kragen geredet zu haben. Und es passiert ihm seit dem 24. Juni immer wieder. Einer der Jungs hatte ihm einmal erzählt, er würde niemals Sex mit einer Ausländerin haben. Das hat er einem Journalisten erzählt.

Früher hätten die Rechten die Nazis aus ganz Deutschland hierher eingeladen. Aber seit es den Heimatbund gibt, habe das aufgehört. Harwig fragte sie mehrmals in den letzten Jahren, „auf Ehre und Gewissen“: Habt ihr noch Kontakt zu euren Nazis? Nein. Gut. Das war das Wichtigste. Sie organisierten fortan bei Dorffesten die Chroniken, ein Wissensquiz, dann haben sie die gesamte Organisation übernommen.
Etwas genauer ist Oliver Schlicht von der "Volksstimme" bei dem Journalisten-Teil:

Ein Thema, das viele Besucher bewegte, war die Medien-Darstellung ihres Dorfes in Zusammenhang mit dem Sommersonnenwendefest. "Noch entsetzter als über die Tat bin ich über die Zeitung", so eine junge Frau : "Wir sind doch kein Nazidorf." Ein Herr, der, wie er sagte, vor zehn Jahren aus Nordrhein-Westfalen nach Pretzien gezogen sei, äußerte sich ähnlich: "Die Art und Weise der Berichterstattung hat mir größere Übelkeit erzeugt, als die Tat selbst."

Eine andere Meinung hatte ein Herr mittleren Alters : "Diese Versammlung bringt mir wenig Aufklärung. Hier wird immer wieder von falscher Berichterstattung und von Schreiberlingen gesprochen. Aber niemand sagt, was denn nun eigentlich falsch war ?"

Auf eine "Falschmeldung", wie sie sagte, machte die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, die nach Auskunft des zuständigen Dezerneten in Schönebeck das Fest wegen der Buchverbrennung abgebrochen hatte, aufmerksam. "Ich habe die Veranstaltung nicht als Ordnungsamtsmitarbeiterin, sondern als Mitglied des ,Heimat Bund‘ -Vereines abgebrochen. Doch mit mir hat ja kein Medienvertreter gesprochen", bedauerte sie. Anschließend sei sie sofort aus dem "Heimat Bund" ausgetreten.
Der selbe Oliver Schlicht äußert in der Zeitung seine Meinung extra:
[...] Es war ein geplanter Akt der Volksverhetzung, den das Gesetz zu Recht unter Strafe stellt. Der Staatsanwalt und die Polizei ermitteln. Doch um die wirklich Schuldigen, drei junge Männer, scheint es im Fall Pretzien nur am Rande zu gehen.

Das Thema Rechtsradikalismus setzt häufig einen Reflex an öffentlicher Schuldzuweisung in Gang, der vor allem eines bewirken soll: politische Profi lierung. In der Bewertung der Vorfälle von Pretzien war verdächtig schnell der Bürgermeister als Hauptschuldiger ausgemacht. Die Druckertinte im ersten Zeitungsbericht war noch nicht trocken, da hatte ihn seine Linkspartei schon zum Austritt aufgefordert. Er wurde wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen. Ein 66-jähriger Ehrenamtlicher, der überfordert ist mit der Situation, dass aus netten Jungs, deren Mütter und Väter er kennt und schätzt, plötzlich Straftäter werden.
Das ist schon bitter, wie eine demokratische Partei ihr Mitglied in einer politisch verzwickten Lage abserviert. Kurzer Prozess, wie früher. Dabei hätten der Bürgermeister und die Gemeinde Pretzien jetzt vor allem eines nötig : keine Schuldzuweisungen, sondern Solidarität. Aber auch die Hilfe der Politprofi s aus der Region blieb bislang aus. Hilfe von Volks-Vertretern, die ein Volk vertreten in der Not. Die Meinungen lenken, die Dinge ins rechte Lot rücken. Die den Weg weisen, was zu tun ist. Die Hoffnung vermitteln. Aber kein Landrat, kein Schönebecker Oberbürgermeister hat sich blicken lassen im Pretziener Gemeindehaus, als es förmlich umstellt war von Presse. Kopf einziehen, in Deckung gehen, warten, bis es vorbei ist, scheint die Devise zu sein. Wen wundert da, dass sich die Gemeinde gleich einer Wagenburg um den Bürgermeister schließt?

Nicht Pretzien, nicht der Bürgermeister haben aber das Buch ins Feuer geworfen. Das waren drei Männer, um die sich jetzt der Staatsanwalt kümmert. Die Gemeinde muss sich den Vorwurf gefallen lassen, ein Stück weit zugelassen zu haben, dass es dazu kommen konnte. Es bedarf nicht viel, um das in Zukunft zu verhindern. Mehr Wachsamkeit und mehr Courage sollten am Anfang stehen.
Der Journalist ist offensichtlich grenzwertig mutig: Er beschuldigt die Politiker auf der Landesebene, dass sie sich nicht gezeigt haben, auf die der höheren Ebene darf er nicht hinweisen, das ginge zu weit. Noch mutiger ist sein Angriff auf die Linke Partei, sie hat selbstverständlich die Verantwortung für alles aus der ehemaligen DDR. Noch mehr hat mich seine Indulgenz an die Zuschauer der Bücherverbrennung überzeugt. Es seien doch nur die drei die bösen gewesen...

"Die Welt" nutzt die Gelegenheit auch, um gegen die Linke Partei zu agitieren:

Lange schon warnen Rechtsextremismus-Experten vor politischer Distanzlosigkeit, die vornehmlich im Osten zu beobachten sei. Der Raum Schönebeck gilt mittlerweile als ein Schwerpunktgebiet der rechten Szene. Empört hatten die Einwohner von Pretzien am Mittwoch abend bei einer vom Dorfpfarrer moderierten Zusammenkunft im Gemeindezentrum "Alter Krug" den Vorwurf zurückgewiesen, ein "Nazidorf" zu sein. Eingeladen zum Treffen hatte Bürgermeister Harwig. Er habe "ein Messer in den Rücken bekommen, aus einer Richtung, von der ich es nicht vermutet habe", sagte er in der Aussprache. Gemeint war die Linkspartei, die nun froh ist, den renitenten Lokalpolitiker nicht mehr in ihren Reihen zu wissen.
Sabine Heimgärtner von der dpa schreibt bei n-tv, wie man das Problem lösen könnte:

Die politische Tragweite der Pretziener Bücherverbrennung habe offenbar niemand verstanden, sagt [ein Buchautor] Staud. Nach seiner Auffassung ist das ein Phänomen in den neuen Bundesländern. "Es gibt die heimlichen Sympathisanten, die dörflichen Naiven und die politischen Verharmloser." Hinzu komme die DDR-spezifische Geschichtsschreibung. "Auch ich habe in der Schule von Bücherverbrennungen fast nichts gehört, aber viel von Widerstandskämpfern", erklärt Staud.

Wissenslücken wollen Spitzenpolitiker des Landes jetzt schließen und in der kommenden Woche an einer Schule bei Pretzien aus dem Tagebuch der Anne Frank vorlesen. Bürgermeister Harwig will an seinem umstrittenen Vorgehen festhalten, die rechte Jugend über die Vereine ins Dorfleben einzubeziehen. Staud gibt ihm sogar Recht. Funktionieren könne dieses Konzept aber nur, wenn man ehrlich sage: "Wir haben hier Nationalsozialisten im Ort." Außerdem müssten den Jugendlichen klare Grenzen gesetzt werden. Gebraucht werde ein Top-Sozialarbeiter, kein Kameradschafts-Gedusel und keine Landser-Musik.
Kurz anhalten: Das sagt kein anerkannter Politiker, sondern ein Buchautor, der von der dpa gesucht werden musste. Er sagt richtige Worte, warum gerade er? Weil er für sein Engagement auf dem Gebiet exklusiv bekannt ist oder weil sich kein anderer zur Verfügung gestellt hat?

Die FAZ erzählt auch gerne was:

Böhmer lehnte es ab, das Verhalten des Pretziener Bürgermeisters Friedrich Harwig zu verurteilen oder gar seinen Rücktritt zu fordern, wie es der Zentralrat der Juden in Deutschland verlangt. „Ich sehe mich nicht berechtigt über ihn öffentlich den Stab zu brechen, bevor ich nicht mit ihm selbst gesprochen habe.“ Auch Bullerjahn wandte sich gegen Rücktrittsforderungen: „Mit diesen Reflexen erreichen wir überhaupt nichts.“
Sie wissen es selbstverständlich besser, wie man mit dem eigenen Gewissen umgeht. Das seien ja nur Reflexe, die kann man ruhig unterdrücken.

Weiter FAZ:

Nach Angaben Heppeners, der auch Strafantrag gestellt hat, entschuldigten sich die Männer bei dem Dorf und dem Bürgermeister mit den Worten: „Das haben wir nicht gewollt.“ Zu dem Vorfall selbst hätten sie mit Hinweis auf das schwebende Verfahren nichts gesagt. Heppener sagte, er habe keine Reue oder Einsicht verspürt: „Da waren weder Kopf noch Herz beteiligt.“ Das Ganze habe ihn an eine Pionierveranstaltung in der DDR erinnert, bei der einstudierte Selbstkritik vorgetragen worden sei. Heppener schlug als eine Konsequenz vor, die Ausstellung „Anne Frank. Eine Geschichte für heute“ in der benachbarten Kreisstadt Schönebeck zu präsentieren.
Mächtige Strafe! Die Neonazis werden es fürchten und alle Zuschauer der Bücherverbrennung werden dabei weinen.

Der selbe Heppener erzählte im Radiointerview, dass es bei der Bücherverbrennung Beifall gegeben habe. Er sagt, das seien "junge erwachsene Männer, die ganz genau wußten, was sie da tun". Warum dann muss er selbst sie als "Jugendliche" benennen? Dieses hin und her in der Sprache, die Zerrissenheit in dem netten Umgang mit dem Bürgermeister zeigt, wie weit die Öffentlichkeit von der Erkenntnis liegt, was da passierte und weiter passiert. Warum ist die Information über den Beifall zum Beispiel in keiner Zeitung zu lesen? Warum gibt es 386 Meldungen in der englischamerikanischen Presse zum Vorfall und nur 200 in der deutschsprachigen?

6.7.06

Versagen der Politik

Wie inzwischen von einigen Medien berichtet wurde, haben Teilnehmer eines Sommerfestes in der kleinen Ortschaft Pretzien in der Nähe Magdeburgs eine kleine Bücherverbrennung durchgeführt. Das passierte am 24.6.2006. Die Zeitung "Volksstimme" brachte die Nachricht am 30.6. Die "großen" Zeitungen haben es weitergeleitet (sehr-sehr sparsam).

Die "großen" Politiker haben sich bis jetzt nicht gemeldet. Der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts Wolfgang Böhmer erzählt am 5.7, wie hart er mit den Rechtsradikalen umgehen will:

Das kann man so nicht durchgehen lassen - deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft. [...] In diesem Fall war es eine politische Demonstration. Deshalb müssen wir mit aller Schärfe darauf reagieren. Neben allen juristischen und politischen Konsequenzen, die zu ziehen sind, wollen wir auch mit Schulen der Umgebung sprechen und eine Veranstaltung organisieren, mit der man öffentlichkeitswirksam unsere Abscheu deutlich machen kann. [...] Wir müssen damit rechnen, dass sich scharenweise Journalisten auf uns stürzen, um uns in ein schlechtes Licht zu stellen. Wir werden versuchen, da deutlich gegenzusteuern - Licht entsteht ja nicht von selbst. Wir haben schon ein paar Ideen, aber wir werden erst darüber berichten, wenn wir sie umsetzen können.
Ich glaube, die Rechtsradikalen haben echt Angst bekommen. Der Bürgermeister wurde dazu aufgefordert, seinen Mitgliedschaft bei der Linken Partei/PDS zu beenden. Eine einmalige Strafmassnahme. Alle haben sich davon distanziert, schön und gut. Und was weiter?

Der SPD-Wiefelspütz hat sich empört:

Den Tätern sei «mit voller Härte des Gesetzes» zu begegnen, betonte Wiefelspütz. «Wir werden nicht zulassen, dass solche Außenseiter das Bild von Deutschland bestimmen.» Der Innenexperte befürchtet nach dem Vorfall auch negative Außenwirkungen für das ansehen Deutschlands in der Welt: «Ich hoffe, dass dieser Vorgang nicht das Bild beeinträchtigt, das Deutschland gerade in den letzten Tagen zeigt», so Wiefelspütz mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft.
Noch einmal, ist das alles? Die erste Publikation im Ausland zeigt die Dimension dieser politischen Bombe am 4.7. Kann es sein, dass der Ministerpräsident und der SPD-Verantwortlicher für die Empörung erst dann reagieren? Wie? Das wissen sie offensichtlich nicht und warten, bis der Papa kommt und Bescheid sagt, zum Beispiel so:

Pretziens Bürgermeister Friedrich Harwig müsse sofort von seinem Amt zurücktreten, sagte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, der "Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung". "Es ist empörend, sträflich und naiv und geradezu grotesk, dass Politiker versuchen, den Rechtsextremismus durch Anbiederung zu bekämpfen." Die Neonazis müssten in allen gesellschaftlichen Bereichen konsequent geächtet werden, statt auch noch an ihren Festen teilzunehmen.
Thomas Heppener, Direktor des Anne-Frank-Zentrums, hat auf der Homepage der Stadtgemeinde am 30.6. geschrieben:


In einem Artikel der Volksstimme wurde heute berichtet, dass am 24. Juni in Pretzien im Rahmen eines Sommersonnwendfestes das Tagebuch der Anne Frank verbrannt wurde. Ich habe als Direktor des Anne Frank Zentrums auf Basis dieses Berichtes Strafanzeige und Strafantrag gegen Unbekannt gestellt.
Die Jugendlichen müssen gewusst haben, dass das Tagebuch Symbol für den Völker-mord an den Juden ist. Es ist ein ungeheuerlicher Vorgang gerade dieses Buch zu verbrennen. Besonders erschreckend finde ich, dass es keinen öffentlichen Aufschrei der Bürgerinnen und Bürger Pretziens gab. Diese Aktion ist ein weiteres Zeichen für weit verbreitete rechte Orientierung und eine mangelnde Zivilgesellschaft in den neuen Bundesländern.
Gern komme ich nach Pretzien, um mit den Verantwortlichen zu überlegen, welche Möglichkeiten der gemeinsamen Arbeit gegen Rechtsextremismus möglich ist.
Heppener hat bis heute keine Einladung bekommen. Die Sitzung des Gemeinderates verläuft heute, am 6.7., hinter verschlossenen Türen. Die Meldung über die Tagesordnung bezieht sich mit keinem Wort auf das Thema!

Medien informieren, wie gesagt. Sie kommentieren ziemlich sparsam und verharmlosen die Geschichte, wie zum Beispiel die "Frankfurter Rundschau":


Es gibt sie noch, die Hässlichkeit des provinziellen Alltags. [...] Was an dem Vorfall verblüfft, ist der banale Angriff auf die einfachen Reflexe. Anne Frank, Bücherverbrennung - als hätte jemand die Aufgabe gestellt, eine öffentliche Provokation herzustellen aus zwei wichtigen Begriffen des Sozialkundeunterrichts der siebten Klasse.

Wie die Fahnen weh'n, in Orten wie Pretzien, wird man erst sehen, wenn der Fußballrausch wieder vorbei ist.
Blogger merken es noch gar nicht, bis auf die wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel ein Lübecker:

Doch bedarf echte Empörung und aufrichtige Distanzierung schon etwas mehr...
Wir warten vorerst ab, ob die Wellen weiter und höher schlagen. Was werden wir wohl über die Gemeinderatssitzung erfahren? Kommt denn kein Schäuble oder Gysi nach Pretzien, um mit den 80 Bürgern zu reden, die der Bücherverbrennung zugeschaut haben? Werden sie sich nur um das Bild Deutschlands während der Weltmeisterschaft Sorgen machen?

Zwei Empfehlungen

Ungewöhnlich sind die folgenden zwei Texte, jeder auf seine Art.

Matthew Gutman beschreibt in der "USA Today" die Lage der palästinensischen Medien unter der Hamas.

There are 20 Palestinian radio stations, 19 newspapers and 33 TV stations, according to the Palestinian Ministry of Information.

Muhammad Dahody, director-general of Palestine TV, says his phone began ringing after Hamas spokesman Sami Abu Zuhri accused the station of fomenting civil war in an interview May 22 with the Qatar-based Arabic satellite network Al-Jazeera.

Dahody says he received 20 calls a day from Hamas militants threatening to dismember him if he didn't change the station's allegedly biased reporting. [...] Four of Arabeed's 32 staff members quit after receiving threats by phone or e-mail, he says. As many as 70 death threats a day filled Arabeed's own voice mail.
Der andere Text entstammt dem Blog "Augean Stables", sein Autor RL schreibt über die Feigheit der Minister und Abgeordneten der Hamas, die sich ohne Widerstand verhaften ließen, obwohl sie ihr Volk zum Märtyrium aufrufen:

All these brave leaders who (like Edward Saïd) are ready to fight to the last Palestinian, but not a trace of personal courage. As a friend commented to me: didn’t you notice their suits? As soon as they took over the government, they started wearing suits. [...] from the perspective of a warrior concerned with honor, playing the victim is the most craven of options, and when the Palestinians adopted (or were forced by their Arab brethren to adopt) the role of victim, they went into a form of honor-shame pathology.

5.7.06

Die einen sagen so, die anderen so

Zwei Zitate haben mich beeindruckt. Einmal die Empfehlung eines Palästinensers an seine Familie, was sie zu tun hat. Dies habe ich bei dem großen Freund der Palästinenser, Tomas Avenarius, in der "Süddeutschen" (vom 4.7.2006) gelesen:

Der Kämpfer der Islamischen Armee sagt, die Familien versorgten seine Leute mit Tee und Kaffee. Falls es zu Kämpfen komme, sollten sie sich verstecken: "Wir haben den Familien gesagt, sie sollen alle Türen abschließen."
Ich glaube, der Wiedergabe von Avenarius können wir dieses Mal vertrauen.

In der Zeitung "USA today" habe ich folgendes Zitat im Artikel von Thomas Frank gefunden:

Pinchas Vallerstein, who helped create one of the first Israeli West Bank settlements, illustrates the West Bank problem by pointing to a wall map of Israel in his office. Vallerstein points at the country's main airport in Tel Aviv and points at the West Bank Palestinian village of Budrus. They're inches apart on the map — a few miles on the ground.

If Palestinians in Budrus fire the same rockets they've fired from Gaza, "100% of them will land in Ben Gurion Airport," Vallerstein says. "Maybe they will miss the airplanes. But they will not miss the airfield."
Dem würde ich auch glauben. Beide Äußerungen sind für mich ein wahres Abbild der Lage im Nahen Osten. Kein Frieden in Sicht...

Tagesschau weiß alles über Kassam-Raketen

7.7.2006 Update.
In einem Interview durfte der palästinensische Historiker und Archäologe Nazmi Jubeh behaupten, es gebe keine Opfer auf der israelischen Seite:

Das sind ja keine Raketen, der Begriff ist übertrieben. Sie haben auf palästinensischer Seite mehr Schäden angerichtet, als auf israelischer Seite. Über 70 Prozent der so genannten Kassam-Raketen sind auf palästinensischer Seite niedergegangen und haben dort Häuser zerstört. [...] Natürlich ist das ein Problem. Die Angriffe mit diesen lächerlichen Spielzeug-Raketen müssen gestoppt werden. Aber: Es gibt in den palästinensischen Gebieten keine wirkliche Autorität. [...] Die Raketen sind deshalb auch eine Botschaft an andere palästinensische Gruppen. Übrigens ist ja auch bislang kein Israeli dadurch ums Leben gekommen. Bis jetzt sind rund 800 Raketen auf Israel abgefeuert worden.
Der Historiker kennt sich offensichtlich gar nicht aus. Die Verharmlosung der Kassam-Raketen, die Zahl der Beschüsse, die Zahl der Opfer auf der israelischen Seite - alles ist hier falsch.

Um es richtigzustellen, muss man nicht lange recherchieren. Das englischsprachige Wikipedia hat eine brauchbare Antwort auf alle diese Fragen:
At least 13 people have been killed as a result of Qassam rocket fire at Israeli targets. [...] The total number of Qassam rockets launched exceeded 1000 by June 9, 2006.

Das sind Details der Rakete, das sind Zahlen der abgeschossenen Raketen für 2004 (309) und 2005 (377). Und zu den Opfern zählen, wie gesagt, mindestens 13 Menschen. Angesichts der heutigen Nachrichten über den Abschuss der Kassam-Rakete auf Aschkelon ist die Desinformation im Interview kein kleiner Fehler der Redaktion, sondern eine Mitwirkung bei der palästinenischen Propaganda.

Ich habe das Thema weitergeleitet. Erfreulicherweise ist alles sehr gut gegangen. Wie ich soeben erfahren durfte, hat die Redaktion vernünftig und positiv reagiert:

3.7.06

Sahm oder Avenarius

Fast jeden Tag beklagt sich Tomas Avenarius in der "Süddeutschen". Seine Parteinahme für die palästinensische Sache ist längst zur Propaganda der antiisraelischen Politik geworden. Die Zeitung druckt seine Artikel bis zu dreimal am Tage und lässt keine Widerrede zu, es werden keine anderen Meinungen angeboten, nicht mal Leserbriefe.

Dagegen zeigt Ulrich W.Sahm den objektiven Stand der Dinge, Probleme auf beiden Seiten des Konfliktes im Nahen Osten. So auch im neuesten Artikel bei n-tv:

Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass der einseitige Rückzug aus Gaza ohne Koordination mit den Palästinensern ebenso gescheitert ist wie die einvernehmliche Übergabe von Land und Städten an die Palästinenser im Rahmen der Osloer Verträge. Weder schriftliche Verpflichtungen Arafats, die Osloer Verträge, die Roadmap, feierlich verkündete Waffenstillstände, noch heilige Versprechen von Mahmoud Abbas haben den Terror beenden können. Dennoch soll das Konzept des einseitigen Rückzugs auch auf das Westjordanland übertragen werden, wie schon nördlich von Nablus geschehen. Israel will nicht auf palästinensische Einsicht warten und zieht ohne ihr Einvernehmen seine Grenze. Die Palästinenser werden ohne Israels Zutun ihren Staat gründen können, oder auch nicht. Sollten sie, wie jetzt im Gazastreifen, weiter auf Krieg setzen, dürfen sie mit echter militärischer Antwort rechnen, wie der Zerstörung von Kraftwerken. Im Libanon haben Rückzug und Angriffe auf Kraftwerke bei Beirut dazu geführt, dass entlang der Grenze Ruhe herrscht. Libanon entwaffnete Milizen und bändigt die Hisbollah. Palästinensische Regierungen jedoch waren unfähig oder unwillig, die Milizen auszuschalten. Die Hamas-Regierung schloss sich gar der Erpressung der Entführer an. Im März feierte sie gar einen Terroranschlag in Tel Aviv als "legitime Selbstverteidigung".

Das Chaos in Gaza ist für die Palästinenser ein bitterer Vorgeschmack dessen, was sie erwartet, wenn sie nicht endlich eine Zivilgesellschaft errichten und die Regierung ihr Gewaltmonopol erkämpft.
Bitter aber wahr. Warum wird dieser Text nicht weiter zitiert? Er wurde am 1.7. online gestellt und noch kein einziges Mal verlinkt.

Bamberg

Das historische Zentrum der Stadt ist sehr klein und voller Touristen. Für das Auge wird hier viel Kirchliches geboten, vielleicht sogar zu viel. Bürger haben offensichtlich sonst keine Probleme und wenn sie sich beschweren, dann sieht das so aus:

Für die kulturinteressierten Besucher gibt es auch ein volles Programm. Die E.T.A.Hoffmann-Wohnung zum Beispiel.

Sie ist jeden Tag, außer Montag, für 2 (zwei!) Stunden geöffnet:

Die Bamberger Symphoniker behalten immer noch ihren einmaligen warmen Ton und spielen ausgezeichent, der Konzertsaal ist dabei nicht voll.

Viel voller ist es, wie gesagt, in der Stadtmitte. Kein Wunder. Ist das nicht schön?

Und dies?


Das Alte Rathaus ist gleichzeitig Mitte und Achse der Stadt:

Moment mal, auf der Rückseite gibt es eine Tafel, was steht da gemeißelt?

Ups. Was haben getreue deutsche Soldaten in Europa und Afrika verloren, was haben sie da gesucht? Für die Heimat? Wofür ist die Stadt Bamberg ihnen so unauslöschlich dankbar? Und deren Opfer, weiß die Stadt Bamberg um sie?

30.6.06

Vorbildlich

Die Idee von diesem Posting möchte ich ausdrücklich unterstützen. Das Bild spricht Bände, in der Tat. Ähnlich aufklärend ist auch ein anderes Bild im selben Blog. Bilder sagen manchmal mehr als Worte!

29.6.06

Kinderliebender Putin

Eine kurze Videonachricht aus Russland, die noch keine Schlagzeilen erreicht hat. Putin küsst einen kleinen Knaben auf den Bauch vor Kameras. Wie soll man das verstehen? Noch ein Beitrag zu dem intuitiven Selbstverständnis eines Tyranns? Sie mögen doch alle Kinder und müssen ihre Omnipotenz unbedingt zeigen, sie mit ihrem Kuss segnen.

Ich habe das Filmchen bei Google und bei YouTube gestellt, der Text der russischen Nachrichten wird (wer hätte es gedacht) auf Russisch gesprochen, das Bild aber ist selbstredend (interessant sind dabei auch andere Teilnehmer der Szene - ein Mitarbeiter, der das Kind dreht, damit es besser in das Bild passt; andere Kinder, die dabei sind und auch nur staunen können):




Peter Schäfer im Dienst der Hamas

Telepolis bei Heise beschäftigt weiter den bekennenden Vertreter der Hamas. Peter Schäfer gibt es zu bzw. sieht das als seine Aufgabe, deren Propaganda auf Deutsch zu verbreiten:

Von palästinensischer Seite aus stellt sich die Lage allerdings anders dar.
Ein authentischer Bericht mit einem kritischen Kommentar wäre in der Tat eine wichtige und wünschenswerte Quelle. Wie das professionell gemacht werden kann, habe ich schon einmal zitiert. Schäfer ist allerdings nicht nur unkritisch, er macht da voll mit. In seinem neuesten Beitrag zeigt es sich absolut eindeutig:

Hamas beendete am 9. Juni ihren einseitigen Waffenstillstand, nachdem die israelische Marine eine palästinensische Familie am Strand tötete.
Es wurde nachgewiesen, dass diese Darstellung nicht stimmt. Die Explosion erfolgte nicht durch den israelischen Beschuss. Schäfer geht nicht auf die Resultate der Analysen ein, diskutiert sie nicht, wischt sie einfach vom Tisch.

Die Gegendarstellung der Armee wurde mittlerweile durch den Bericht eines israelischen Krankenhauses ausgehöhlt. Die Ärzte fanden israelische Granatsplitter im Körper eines Verletzten.
Bemerkenswert, dass Schäfer, der sonst so gerne seine Texte mit Links versieht, gerade zu dieser Behauptung keinen Hinweis gibt. Die Auflösung ist ganz einfach - es gibt keine Quelle für diese Behauptung, sie ist eine schlichte Lüge. Die bis heute letzte Information über die Aufklärung bestätigt, dass auch Splitter aus dem Körper des zweiten untersuchten Verwundeten der Explosion, der in einem israelischen Krankenhaus behandelt wird, nicht von den israelischen Geschossen stammen.

Major General Meir Kalifi, head of the IDF investigation into the deaths of the Ghalia family, announced that the IDF had definitive proof that an IDF 155 millimeter shell was not fired at the beach. [...] "At this point we cannot say what the source of the shrapnel is; we have a number of different evaluations. There is the possibility that it is a military dud, or a device planted by the Palestinians. Everything is being checked," Kalifi said. [...] Major General Kalifi added that he met with American expert Mark Garlasco, a military advisor to the Washington-based Human Rights Watch organization. "After talking to him, it became clear that he has no authentic findings," said Kalifi. Garlasco had alleged that an Israeli shell was behind the blast.

Lieutenant Colonel Eren Toval, who commands the IDF's technological division, explained: "We carried out a check for metal and found the explosives that were on it. In total we carried out three independent analyses. The result was that the explosive was standard, but not characteristic with Israeli or American explosives in IDF service, and is not an IDF 155 millimeter shell.
Es ist sehr traurig, dass sich das Nachrichtenportal an der Lügenverbreitung beteiligt.

28.6.06

Efraim Inbar bei ARD

Auf der Internetseite der Tagesschau kann man heute ein inhaltsreiches und authentisches Interview mit einem anerkannten Politologen aus Israel zu aktuellen Themen lesen. Das will ich mal loben. Einfach formuliert, für schlichte Gemüter soll es auch verdaulich sein. :-)
Gut gemacht, Christian Radler!

Die anderen Aufsätze Inbars kann man auf seiner Homepage verlinkt finden.

26.6.06

Blog des Tages

Soeben habe ich erfahren, dass der Blogportal Bloxbox meinen Blog zum Blog des Tages ernannt hat. So sieht es dann aus:
Das Team schreibt über seinen Katalog:

Der Blox-Katalog umfasst Weblogs, die inhaltlich interessant, optisch schön oder laufend aktuell sind.
Na, dann danke schön! :-)

Ulrich W. Sahm zeigt die Rolle der Presseagenturen

Die neu gestaltete Homepage von Ulrich W. Sahm ist noch nicht ganz fertig. Ich stelle fest, dass er dabei einen Vortrag, den er 2003 im Bundestag gehalten hat, neu gestellt hat. Sehr empfehlenswert.

Kurz gesagt, er berichtet über die subtile Propaganda durch die Pressagenturen wie ap, dpa, afp, Reuters, insbesondere ihre deutschsprachigen Redaktionen. Nämlich, wie sie die Meldungen über die Ereignisse im israelisch-palästinensischen Konflikt verfälschen.

Sein neuester Beitrag bei n-tv korrespondiert übrigens mit meinem Text von vorgestern.

24.6.06

Shepperd oder Avenarius: Wer hat Recht?

Bleiben wir beim Thema. Tomas Avenarius gibt in der heutigen "Süddeutschen" gutgemeinte Ratschläge an die Hamas. Er macht sich so richtig Sorgen:

Damit die Palästinenser auch international die Initiative ergreifen können, müssen ihre Ziele so glaubwürdig und simpel dargestellt werden, dass sie in Fernsehnachrichten und Zeitungsschlagzeilen passen. Nach dem Motto: Hamas sagt Nein zu Gewalt gegen Zivilisten. Für Fußnoten im Sinne eines "ja aber" und "nur wenn, dann auch" ist angesichts der desolaten Lage der Palästinenser kein Platz mehr.
Avenarius meint das wirklich gut, er kennt sogar die Lösung:

Nur eine klare Einigung auf der unverwässerten Basis des "Gefangenenplans" bringt die Palästinenser voran. Der Plan, ausgearbeitet von Militanten in israelischen Gefängniszellen und Grundlage der Konsensgespräche, sieht die Zweistaatenlösung vor. Mit der Unterschrift unter dieses Konzept würde die auf Terror setzende Hamas den Staat Israel in den Grenzen von 1967 de facto anerkennen - und somit implizit nach der Bildung eines Palästinenserstaates jeder Gewalt abschwören.
Das sagt Avenarius, und jetzt lesen wir uns ein. Vor einigen Tagen hat Robin Shepperd in der "Financial Times" einen, aus meiner Sicht viel besseren Artikel geschrieben, der den Titel trägt:

Abbas's Palestinian referendum offers only false hope
In dem Text erklärt Shepperd:

What has caused the most excitement is the proposal, in Article 1 of the so-called National Accord Document, for a Palestinian state "with holy Jerusalem as its capital on all territories occupied in 1967". References across the global media to the "implicit recognition" of Israel which that statement supposedly carries have been practically ubiquitous.

It is difficult to believe that many people making such claims have actually read the document in question, let alone faced up to the fact that its support by Palestinian prisoners means it is directly associated with some of the most violent and radicalised activists in the Middle East. The central problem is hardly confined to the fine print and comes immediately after theproposal for statehood with a call for "the right of the refugees to return". The same point is repeated with greater emphasis in Article 9.

What this amounts to is a demand for all refugees and their descendants from the period around the Israeli war of independence in the late 1940s to have the option of relocating to Israel proper. It is not hard to see that what is at work here is simply the same old coded message for the destruction of Israel as a Jewish state that has blown all previous peace efforts out of the water. Add the 3.5m to 4.25m people claiming such refugee status to the more than 1m Arabs who already reside in Israel and the result would be an Israel with almost equal Jewish and Arab populations. To use the heated, though apt, idiom of the Israeli right, the call is still "annihilationist" in character.

But taking a broader view, what is in the document to be set before the Palestinian people on July 26 is far less worrying than what is left out. The point is this: nearly six decades since the Jewish leadership accepted the United Nations' decision to establish two states, we are still dealing with a Palestinian leadership that will not offer its people a document for popular ratification that explicitly recognises Israel's legitimate right to exist as a Jewish state. In the context of all that has gone before, "implicit" recognition is, at best, meaningless. At worst, it is yet another subterfuge along the lines of the famous letter sent by the Palestine Liberation Organisation to Yitzhak Rabin, the then Israeli prime minister, on September 9, 1993. In this letter, the PLO said it recognised the right of Israel to exist in peace and security - a promise whose emptiness was revealed by Yassir Arafat's subsequent rejection of the Bill Clinton-brokered Camp David accords and the bloody intifada he launched after it.

Outside the region, it is perhaps understandable that many in Europe and the US have chosen not to delve too deeply into what Mr Abbas is, and is not, proposing. The referendum gets them out of a hole. It would allow the west to participate in a polite fiction, letting them restore aid to the Palestinians and thus regain some much sought after moral authority in the greater Middle East.

But inside the region, there is no substantive reason to doubt the assertion of Ehud Olmert, Israel's prime minister, that, as far as peace prospects are concerned, the referendum is basically pointless. That conclusion is bolstered by the fact that, even as some polls show it would be passed by the Palestinian people, two other recent polls published by the Palestinian Wafa news agency's website show more than 60 per cent of them opposed to the proposition that Hamas should recognise Israel in return for the resumption of foreign aid. In other words, most Palestinians will not even recognise Israel if they are paid to.

In the end, all people of goodwill feel for the suffering of both sides in this conflict, perhaps the more so for the Palestinians whose national tragedy has been to such a great extent of their own making. But sentimentality, like the raising of false hopes, will get us nowhere. The problem is what it has always been and Mr Abbas has yet to prove that he really wants to solve it.
Nun - entweder ist der "Gefangenenplan" ein Schritt zum Frieden oder eben nicht. Jeder kann das Dokument lesen und sich selbst überzeugen. Ich kommentiere nur die Sprache:

In dem Text wird im Namen der Palästinenser von der "Befreiung ihres Landes" gesprochen, inclusive Jerusalem und den Landesteilen, die Israel 1967 besetzt hat. Von zwei Staaten wird im Text nie gesprochen. Alles weitere ist mehr oder weniger interessant - eher als Beispiel der aktuellen propagandistischen Rhetorik - "the Judaization of the Jerusalem", "continuation of popular and mass resistance against the occupation in its various forms and policies and making sure there is broad participation by all sectors and masses in the popular resistance", "the sanctity of the Palestinian blood", "the battle for freedom" usw.

Sich selbst vergessen die Terroristen nicht: Sie stellen Folgendes als die wichtigste Aufgabe hin - "To liberate the prisoners and detainees is a sacred national duty that must be assumed by all Palestinian national and Islamic forces and factions and the PLO and the PNA as President and government and the PLC and all resistance forces."

Die Aufgabe, im Gazagebiet den künftigen Staat aufzubauen, wird nicht gestellt. Der Auftrag lautet viel mehr - "the steadfast Gaza Strip a real support force to steadfastness and resistance of our people in the West Bank and Jerusalem as the national interest stipulates reassessing the struggle methods to seek the best methods to resist occupation." Wozu es führt bzw. schon geführt hat, hat Efraim Karsh bereits Ende 2005 beschrieben.

Das Dokument erwähnt "the right of the refugees to return and to be compensated" mehrfach. Vollkommen ausgeklammert wird die Zahl der Flüchtlinge von 1948, die Zahl der Palästinenser, die längst zurück kamen und aufgenommen wurden, die Zahl deren, die ihre Kompensationen bekommen haben. Das alles wird völlig ignoriert.

Kurzum, ich glaube - Shepperd hat Recht und Avenarius sollte sich fragen, schreibt er für die Hamas, die von ihm eine Beratung ersucht, oder für die deutsche Leserschaft, die informiert und nicht desinformiert werden möchte.

FAZ über Christiansen

Neulich habe ich Patrick Bahners kritisiert. Jetzt darf zum Ausgleich etwas Positives zitiert werden. In der FAZ von heute lobt er Sabine Christiansen und ihre Sendung:

Es waren die Politiker selbst, die als Hauptakteure der Christiansen-Bühne die Gemeinplätze von den unaufschiebbaren Reformen herunterleierten und durch ihre Rückkehr am nächsten Sonntag unter Beweis stellten, daß schon wieder nichts geschehen war. Indem Frau Christiansen von vornherein jeden Gesprächsfaden zerschnitt, ließ sie den Gedanken gar nicht erst zu, daß es auch Probleme geben könnte, die bei geduldiger Beratung zu erledigen wären.

Fünfzehn Kategorien

Die Programmierkunst meines Beraters erlaubt leider nur 15 Kategorien. So kann ich vorläufig die Beiträge nicht nach einzelnen Zeitungen sortieren, wie ich es gerne hätte.

Ich wäre meinen Lesern für Kommentare dankbar - ist es jetzt übersichtlicher geworden, soll ich anstatt der soeben eingeführten Kategorien andere erfinden?

23.6.06

Die "Süddeutsche" interessiert sich für Israel

Ich glaube, ich muss die Kategorien in meinem Blog neu sortieren, nach Zeitungen zum Beispiel. Schwankungen in der Beurteilung der Ereignisse nach dem bekannten Prinzip "anything goes" sind ein Faktum, dagegen kann man offensichtlich nicht viel tun. In derselben Zeitung vertreten zunehmend häufiger verschiedene Redakteure nicht die gleiche Meinung und zeigen das unverhüllt - durch die Wahl der Artikel. Was aber ein langfristiges Thema zu werden verspricht, ist das besondere, geradezu besessene Interesse an allem, was mit Israel zu tun hat. Tja, und das aufmerksame Lesen führt zu eher unangenehmen Folgerungen - die meisten deutschsprachigen Zeitungen sind darin parteiisch, einseitig. Wie soll man das noch feiner ausdrücken?

Die Süddeutsche widmet sich heute mindestens dreimal dem Thema. Aufgezählt:

Auf der ersten Seite fängt es mit einem netten AP-Foto von Abdullah zwischen Abbas und Olmert und mit einem (redaktionellen?) Text an, in dem u.a. gesagt wird:

Thema waren auch die Angriffe der israelischen Armee im Gaza-Streifen, bei denen Zivilisten umgekommen sind.
Zum Vergleich: Der israelische Nachrichtendienst wagte es, das Treffen als „gut und warm“ zu bezeichnen. Man hätte über das Gespräch zwischen Abbas und Wiesel erzählen können. Die Süddeutsche weiß das besser: Die Konfrontation wird überbetont. Die Zeitung erwähnt die Opfer der einen Seite, nicht aber die der anderen. Waren es Angriffe oder Verteidigungsmaßnahmen? Wurde hier ein Fakt vermittelt oder Propaganda ausgeübt?

Zweites Mal:

Thorsten Schmitz, der erst vor einigen Tagen weltweit eine Anerkennung verdient hat, als er den Kameramann von Pallywood interviewt und dazu beigetragen hat, die Fälschung zu entlarven, rudert wieder zurück und übernimmt die Sicht der Hamas bei der Beurteilung der Zwischenfälle der letzten Woche. Schon wieder seien Israelis dafür verantwortlich, dass 9 Zivilisten da, 7 Zivilisten dort sterben mussten. Schon wieder darf HRW alles besser wissen und die israelische Untersuchung einfach so in Frage stellen. Das Foto zum Artikel bedient diese Sicht noch einmal deutlich (ein Junge hält Splitter einer israelischen Rakete in die Kamera). Und wieder: Die palästinensische Sicht der Dinge dominiert, sowohl in der Darstellung der Fakten als auch in der Sprache. Wie von mir vorausgesagt, leider.

Drittes Mal:

Eine gewisse Judith Bernstein, vorgestellt als Dolmetscherin, die in Israel aufgewachsen ist und in München seit 1976 lebt, will Europa (nicht weniger als das ganze Europa!) dazu bewegen, die Sache der Palästinenser zu vertreten. Es werde ja nichts getan, meint sie und hält es für notwendig, dabei zu betonen:

Meine Großeltern sind in Auschwitz umgekommen, meine Eltern mussten als Jugendliche Deutschland verlassen.
Noch einmal Tony Judt-Masche? Ja. Schon wieder "gute Juden"? Ja. Die Zeitung kann es einfach nicht lassen. Gerade haben Mitglieder des Quartetts 100 Millionen gebilligt, zusätzlich zu all den Summen, die von Hamas-Ministern illegal hereingeschmuggelt werden, damit die Hamas in Ruhe das andere Geld für die weitere Bewaffnung ausgeben kann. Dutzende Politiker auf der ganzen Welt haben nichts mehr zu tun als sich den Kopf zu zerbrechen, wie sie der palästinensischen Bevölkerung helfen, weil die palästinensische Regierung es nicht tut. Es wird de facto geholfen. Bernstein und die Zeitung wollen es nicht einmal erwähnen, denn die Hamas braucht mehr Geld. Das hat Priorität.

So gut wie jeden Tag berichtet die Süddeutsche in diesem Ton über Israel, mit mehreren Materialien auf verschiedenen Seiten. Und wird dabei (auch von mir!) immer noch für die ausgewogene Darstellung gelobt. Wie lange wohl noch?

Ein ähnliches Problem wird oft von verschiedenen Beobachtern beschrieben. Erst heute wurde die amerikanische Presse ebenso kritisiert (Link).

22.6.06

Tomas Avenarius: Sprachliche Feinheiten

Merkwürdig, wie wirksam kleinste Änderungen in der Sprache sind. Monatelang war die Rede von den "Gefangenen", insbesondere als es um das sogenannte "Gefangengendokument" ging. Die palästinensische Propaganda ließ keine andere Deutung zu: Sie sitzen in israelischen Gefängnissen und machen sich Sorgen um den Frieden innerhalb der Autonomiegebiete sowie zwischen Israelis und Palästinensern. Keine Frage, feine Menschen und ihre Vorschläge sowieso.

In der heutigen "Süddeutschen" spricht Avenarius zum ersten Mal von "inhaftierten Militanten". Wow! Was für ein Fortschritt! Was ist da los? Werden wir es in Bälde erleben, dass er von den "verurteilten Terroristen" schreibt?

David Teich - lesenswerter Blog

Ein amerikanischer Jude wandert nach Israel aus und schreibt ein Tagebuch im Netz. Über sich selbst, über seine Katzen und seine Einsamkeit, über seine Sicht der politischen Ereignisse etc. Eine authentische sympathische Quelle, um das Lebensgefühl in Israel aufzuspüren, finde ich. Einige Beispiele seiner scharfsinnigen Beobachtungen:


There's a new play about Rachel Corrie. She's the defender of terrorists who lay down in front of a large bulldozer and was surprised she couldn't be seen, right untill the end (reminding me of the guy who, years ago, at the Concord Naval Weapons facility, lay down in front of a train and then sued because he lost an arm...). The play was co-written and directed with the help of "journalists" from the Guardian.

Of course, there's no play about the deaths of the Rachels who died in suicide bombings. As listed in the JPost: "Rachel Levy (17, blown up in a grocery store); Rachel Levi (19, shot while waiting for the bus); Rachel Gavish (killed with her husband, son and father while at home celebrating a Pessah meal); Rachel Charhi (blown up while sitting in a Tel Aviv cafe, leaving three young children); Rachel Shabo (murdered with her three sons aged 16, 13 and five, while at home)." Then there's Rachel Thayer (16, blown up in a pizza parlor). She fits today's subject because she was a British citizen, yet her mother says they NOT ONE British journalist ever interviewed her about her daughter's death. (
Eintragung vom 25-April-2005)

To help you better understand Israel, today's lesson is a typical example of marketing skills. I was at the grocery store and needed more beer. The six pack was 31.49. Singles were 4.99. Now, the concept of six and twelve packs (the later unknown here, since it's not a beer drinking country) is to make it easy to grab plenty of one brand. Just like with bundles of anything else, you should get a quantity discount. That concept, however, seems to be a foreign one. (
06-March-2005)

I walked over to check out dvds. There was nothing that really excited me, but I decided to get shwarma for dinner, as long as I was there. I'm tired of the pasta that I've been eating and, though I still have more sauce, wanted a break. Usually the guy has me pay when I'm done eating. However, after I sat down with the food and beer, he asked me to pay. I got up, paid and then returned to my table. No food. I saw the wrapper on the ground. Then I remembered the mutt I'd seen wandering around. I managed to put 2 and 2 together.

The guy laughed and gave me another shwarma. We both wondered how the dog liked the extra hot sauce I had him add. I hoped it had punished the dog, but not too much. The dog finished eating before I did, and he reappeared as I finished. Sadly, he didn't seem any worse for the wear. Next time I watch my food a bit more closely. (
17-February-2005)

Yesterday, when I was a vidiot, I was lying on the couch. Ghost was asleep on my chest and Star was asleep curled up under my arm. It was a cute scene. What was funny was good old Ghost's fears. It was close to dinner time and I hadn't eaten in a while. Suddenly my stomach let out a pretty big growl. Ghost jumped up with fear on her face, looking around to see who was attacking. Of course, my laughing didn't help the cat's self esteem, but it was hilarious. (
31-January-2005)
Und von den neuesten Eintragungen:

Yesterday Israel blew up a couple of terrorists. Sadly, there were some civilian casualties, including a young girl. The Palestinians immediately cried "massacre!" Fatah (Al Aqsa Martyr's Brigade is Fatah) said it would declare war on Sderot. Considering that an average of two missiles a day have been fired at Sderot in the last year, what's to declare? They spend a year specifically aiming rockets at civilians and claim that's holy, but civilians killed while killing terrorists is somehow a massacre? Right...

A few days earlier, two Palestinians tried to kidnap two Jewish girls, and there was no condemnation from the Palestinians. One girl ran awy. The second, age 14, beat off her two attackers though she was hurt. It seems that when they're not blowing themselves up or firing from hiding, Palestinians can't even deal with a teenage Israeli. Sad sack scum! [...] Meanwhile, today an American Jewish immigrant was arrested for trying to smuggle weapons into the country. He will be tried and probably convicted. Why? Because it's charged that he wanted to use them to shoot Arabs. Yes, he's arrested for only planning terror. When was a Palestinian arrested by Palestinians for performing terror acts? Oh, right, never. Rather, they've announced a formal war against "collaborators", who will be accused, shot and killed without arrest or trial for the crime of wanting peace and an end to terrorism. (
June 21st, 2006)

Back home, people are getting silly about the daily Kassam rockets. They're a serious business, but there's always room for lunacy. Today, the entire town of Sderot "went on strike" in protest. Exactly who that affected other than themselves, nobody's really sure. Meanwhile, in preparation for the strike, Nobel Prize Laureate Shimon Peres said "Kassams, shmasams!" He also pointed out that the Northern Galilee town of Kiryat Shmona dealt with rockets from Lebanon and Syria for much longer and that the crying and whining, rather than the dealing with it, helps the enemy. I agree that what's going on is not good, but Israel is reacting. We shouldn't risk many soldiers' lives with what Sderot demands, massive action, since injuries have been minor. In addition, I know children are scared, but it's only made worse by their parents' whining.

Much of what he said was correct, but he picked a really annoying way of saying it. That's PR in Israel.
(June 20th, 2006)

20.6.06

Die Explosion am Strand in Gaza in weiterer Untersuchung

Kaum eine Zeitung hat es versäumt, über die Meinung eines selbsternannten Experten der Organisation Human Rights Watch - Marc Garlasco - zu berichten. Es war sehr wichtig weiterzusagen, er glaube der vorliegenden Untersuchung der israelischen Armee nicht. Er analysierte Fundstücke, die ihm als vor Ort gefunden zugespielt wurden, ließ sich gerne freiwillig manipulieren, stellte sich vor Mikrophone und redete. Und das war "wichtig".

Das Blatt hat sich nun gewendet:

Nach der gemeinsamen Sitzung, an der sich Vertreter der israelischen Armee und der HRW beteiligten, wurde verkündet:

the Human Rights Watch conceded Monday night for the first time since the incident that it could not contradict the IDF's exonerating findings. On Monday, Maj.-Gen. Meir Klifi - head of the IDF inquiry commission that cleared the IDF of responsibility for the blast - met with Marc Garlasco, a military expert from the HRW who had last week claimed that the blast was caused by an IDF artillery shell. Following the three-hour meeting, described by both sides as cordial and pleasant, Garlasco praised the IDF's professional investigation into the blast, which he said was most likely caused by unexploded Israeli ordnance left laying on the beach, a possibility also raised by Klifi and his team.
Garlasco und seine HRW haben also akzepziert, dass nur 6 Raketen abgeschossen wurden und alle vor der Explosion. Dass die Explosion nicht durch den israelischen Beschuss verursacht wurde.

Ich bin sehr gespannt, ob diese Nachricht in den selben Medien genauso groß gegeben wird, wie die vorherige.

Nebenbei bemerkt, Garlascos neue Version - von dem frei liegenden Geschoss aus Israel, das einfach so vor sich hin am Strand liegt und dann plötzlich sieben Menschen tötet, ist auch nicht von schlechten Eltern. Aber hier, wie auch bei der Untersuchung der inszenierten Aufnahmen: Zuerst mal abwarten.

Jeden Tag...

In der "Times" wird der Erfinder von AK47 vorgestellt: Kalaschnikow ist 86 und will vorschreiben, wer seine Erfindung nutzen darf, nämlich nur die Guten.

In dem Kommentar zum Artikel stellt die Zeitung fest:

1,300 people killed each day worldwide by small arms
Das bedeutet in der Umrechnung:

jede Stunde sterben auf diese Weise 54 Menschen
jede Minute wird einer erschossen.

19.6.06

Handke und seine Sprache

Eine hervorragende Arbeit haben Martin Meyer und Andreas Breitenstein geleistet. Das Interview mit Peter Handke in der NZZ vom 17.6.2006 ist ein seltenes Dokument der Zeitgeschichte. Handke wird mit gezielten Fragen in die Enge getrieben und dort gelassen. Nur ein Beispiel:

Nachdem er über "viele Kroaten, Slowenen und Bosnier" sowie noch mehr über Albanier Böses und Unüberlegtes sagt, stellt sich Handke auf eine Tribune und verkündet:

Ich hätte das nie gemacht: eine Landschaft als Keule zu verwenden, eine Landschaft, die man liebt, wo der Rhythmus der Sprache herkommt, zu benützen, um andere Völker schlechtzumachen.
Noch ein glänzender Spruch von ihm:

Ich liebe Wirtschaft.
Also wirklich! :-)

17.6.06

Die neueste Umfrage von Pew Global Attitudes

Am 13.6.2006 wurden die Resultate der neuesten Umfrage online gestellt. Einiges davon bestätigt bekannte Trends, das andere ist aus meiner Sicht eine positive Überraschung.

Die wichtigsten Fragmente darf ich wohl hier zitieren: Das Ansehen der USA-Politik sinkt weiter, in Deutschland schneller als woanders - von 78 % im Jahr 2000 auf 37% im Jahr 2006:


Auf die Frage, was den Weltfrieden am meisten bedrohe, wird in Deutschland Iran von 51% Befragten genannt, genauso viele Teilnehmer nennen den israelisch-palästinensischen Konflikt und viel weniger (40%) - die Präsenz der USA im Irak:


Bei der Beantwortung der Frage nach der Bedeutung der Hamas-Regierung für die Palästinenser haben 71 % der Befragten in Deutschland sich für "schlecht" entschieden:


Die Verteilung der Sympathien für Israel bzw. für die Palästinenser hat sich bei den Befragten aus Deutschland deutlich geändert: proisraelisch geben sich 37% Teilnehmer, propalästinensisch - 18%:

Dabei zeigt sich der negative Trend, das heißt die Minderung der propalästinensischen Sympathien, als konstant:

Na, soll man all dem glauben?
Hinweis

Das Europaparlament verurteilt Deutschland - Deutschland will nichts davon wissen

Bei der Sitzung am 15. Juni 2006 hat das Europaparlament eine "Entschließung des Europäischen Parlaments zur Zunahme rassistischer Gewalt und von Gewalt gegen Homosexuelle in Europa" verabschiedet. Die Vorlage dafür wurde am 12. Juni vorgelegt. Beide Texte sind online zugänglich. Dennoch sind weder in den News noch sonstwo Meldungen in deutscher Sprache erschienen, die unten zitierten Abschnitte des Beschlusses erwähnen. Überall wird Polen verurteilt - ausschließlich Polen. Im Text kann man allerdings mehr lesen (alle Hervorhebungen von mir):

Das Europäische Parlament, [...]

B. in der Erwägung, dass es in einigen Mitgliedstaaten zu durch rassistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Hass motivierten Gewaltakten und/oder Tötungen gekommen ist, während innerhalb und außerhalb der Europäischen Union weitere direkte und indirekte Formen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Homophobie fortbestehen, [...]

H. in der Erwägung, dass es während Fußballspielen zu bedauerlichen und gravierenden rassistischen Übergriffen kommt und dass ähnliche Vorfälle auch während der derzeitigen Weltmeisterschaft befürchtet werden, [...]

J. in der Erwägung, dass die Medien eine wichtige und entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung rassistisch motivierter Gewalt in der Öffentlichkeit spielen und in einigen Mitgliedstaaten zu einer einseitigen und voreingenommenen Darstellung der Gewalt neigen und damit Verantwortung für die Verbreitung von Fehlinformationen über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit tragen,

K. in der Erwägung, dass eine Vielzahl von Internet-Homepages als Hauptquelle der Informationen über rassistische Gruppen und Gruppen, die zu Hass anstiften, Anlass zu der Sorge gibt, wie diesem Problem entgegengewirkt werden kann, ohne gegen die freie Meinungsäußerung zu verstoßen,

L. in der Erwägung, dass Polizei und Justiz in den Mitgliedstaaten eine wesentliche Rolle für die Verfolgung und Verhütung rassistisch motivierter Gewalt spielen, dass sie es jedoch mitunter versäumen, die Bürger vor rassistisch motivierter Gewalt zu schützen und Extremisten von solchen Verbrechen abzuschrecken, wobei die Mitgliedstaaten in diesem Zusammenhang prüfen sollten, ob ihr Polizei- und Justizsystem unter "institutionellem Rassismus" leidet, und in der Erwägung, dass sich in einigen Ländern polizeiliche Gewalt speziell gegen ethnische Minderheiten, Rassenminderheiten und sexuelle Minderheiten richtet und deren Recht auf Versammlungsfreiheit unmittelbar verletzt,

M. in der Erwägung, dass es an statistischen Daten über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Homophobie in den Mitgliedstaaten sowie insbesondere über damit verbundene Gewalt und Diskriminierung mangelt, [...]

O. in der Erwägung, dass vier Mitgliedstaaten – Deutschland, Luxemburg, Österreich und Finnland – wegen ihres Versäumnisses, die Anforderungen der Richtlinie 2000/43/EG [die sogenannte "Antirassismusrichtlinie"] zu erfüllen, vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) zitiert wurden, [...]

2. verurteilt nachdrücklich alle rassistischen und durch Hass motivierten Übergriffe, fordert alle einzelstaatlichen Behörden mit Nachdruck auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die dafür Verantwortlichen zu bestrafen und das Klima der Straflosigkeit im Zusammenhang mit solchen Übergriffen zu bekämpfen; bekundet seine Solidarität mit allen Opfern solcher Übergriffe und mit ihren Familien, darunter: [...]

– den brutalen Überfall auf einen deutschen Staatsbürger äthiopischer Abstammung, Kevin K., in dem Dorf Pömmelte in Sachsen-Anhalt am 9. Januar 2006, insbesondere wegen des rassistischen Beweggrunds; [...]

– die Zunahme von tätlichen Angriffen und rassistischen Parolen und Sprechchören in den Fußballstadien durch Fußballfans mit neonazistischer Ideologie, [...]

16. unterstreicht, dass Initiativen zur Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Verbindung mit der derzeitigen Weltmeisterschaft in Deutschland unterstützt werden müssen, und fordert die Behörden auf, die für rassistische Akte Verantwortlichen genau zu überwachen, zu verfolgen und zu verurteilen; [...]
Alles andere bezieht sich auf alle europäischen Länder oder speziell auf andere europäischen Länder. Zum Vergleich soll noch ein Paragraph aus dem Entwurf gegenübergestellt werden, der vom endgültigen Text abweicht:

B. in der Erwägung, dass es in einigen Mitgliedstaaten, zuletzt in Belgien, Frankreich, Deutschland und Polen, zu durch Rassen- und Fremdenhass und antisemitischen Hass motivierten Gewaltakten und/oder Tötungen gekommen ist, während innerhalb und außerhalb der EU weitere direkte und indirekte Formen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Homophobie fortbestehen,
Es ist bemerkenswert, dass die Erwähnung von Belgien, Frankreich, Deutschland und Polen aus dem Beschlusstext in diesem Abschnitt ohne weitere Debatte gestrichen wurde. So oder so, Deutschland wurde kritisiert, namentlich genannt und gerügt. Die deutschen Medien verlieren darüber kein Wort! Und streng unter uns wissen wir doch ganz genau, wie viel Unsinn zu dem Überfall auf den Kevin K. gesagt und geschrieben wurde. Ist die Beschäftigung des Europaparlaments damit kein Thema?

Was denkt "Die Zeit" über ihre Vergangenheit?

In dem neuesten Heft der Wochenzeitung "Jungle World" wird ein Sammelband vorgestellt - mit dem Titel »Deutsche, Juden, Völkermord«. Anton Landgraf erzählt über Texte, kommentiert sie, referiert vorgestellte Schicksale. Am Ende des Artikels wird ein Erwin Ettel, SS-Brigadeführer und Nahost-Experte im Auswärtigen Amt, erwähnt:

»In dem Kampf Deutschlands gegen das Weltjudentum fühlten sich die Araber mit Deutschland auf das Engste verbunden«, fasste dieser seine Gespräche mit Husseini zusammen. [...]

Husseini initiierte die Aufstellung einer muslimisch-bosnischen Waffen-SS-Division und konnte nach dem Ende des Krieges nach Kairo fliehen. Spä­ter wurde er Finanzier der im Jahr 1959 gegründeten Fatah und setzte 1968 Jassir Arafat inoffiziell als seinen Nachfolger ein.

Eine erstaunliche Karriere gelang zudem seinem früheren Betreuer in Berlin, die Frank Bajohr in dem Aufsatz mit dem Titel »Erwin Ettel – vom SS-Brigadeführer zum außenpolitischen Redakteur der Zeit« beschreibt.

Ettel konnte nach dem Krieg einige Jahre untertauchen, um Anfang der fünfziger Jahre unter dem Namen Ernst Krüger als außenpolitischer Redakteur bei der Wochenzeitung Die Zeit angestellt zu werden – mit Hilfe von Kontakten im Auswärtigen Amt, wie Bajohr vermutet. Sechs Jahre lang schrieb Ettel unter falschem Namen für die Zeitung, insbesondere über den Nahen Osten und die USA. Seine Ansichten brauchte er dafür nicht zu ändern, wie der Überschrift eines Artikels von ihm zu entnehmen ist: »Unverträgliches Israel«.
Ist es kein Skandal für "Die Zeit"? Kommt eine Reaktion von der Redaktion?

16.6.06

Krauthammer oder Schmitz?

Zwei Zeitungen geben heute Gas in Sachen Pallywood - die "Washington Post" und die "Süddeutsche". Thorsten Schmitz (ich glaube, zum ersten Mal in der deutschen Presse) berichtet über die bekannten Fälschungen der palästinensischen Propaganda in den Medien und stellt die Frage nach deren Bedeutung:

Beweise, die verschwinden, ein Toter, der plötzlich wieder lebt, ein Mädchen, das Regieanweisungen gibt - wie Palästinenser die Wahrheit verbiegen.
Wir sind geduldig und sehen darin einen Fortschritt. Umsomehr dass Charles Krauthammer zeigt, dass es auf diese Frage auch eine Antwort gibt, die sogar laut und deutlich gesagt werden darf. So oder so, der Vergleich ist selbstredend. Quid licet jovi non licet bovi, nicht wahr?

This is another example of the Palestinians' classic and cowardly human-shield tactic -- attacking innocent Israeli civilians while hiding behind innocent Palestinian civilians. For Palestinian terrorists -- and the Palestinian governments (both Fatah and Hamas) that allow them to operate unmolested -- it's a win-win: If their rockets aimed into Israeli towns kill innocent Jews, no one abroad notices and it's another success in the terrorist war against Israel. And if Israel's preventive and deterrent attacks on those rocket bases inadvertently kill Palestinian civilians, the iconic "Israeli massacre" picture makes the front page of the New York Times, and the Palestinians win the propaganda war.

Klaus Maria Brandauer über das heutige Theater und sich

Ein bemerkenswertes Interview mit Brandauer in der heutigen "Welt". Nicht weil der Schauspieler besonders gut wäre, sondern weil der Interviewer Roger Köppel ihn lebensnah, das soll heißen - naturgetreu, präsentiert. Ich mag diese Art. Einige Beispiele:

Welt: Man hat den Eindruck, es gebe eine Art Gottesdienst, einen heiligen Pakt zwischen Theatermachern und einer Kritik, die auch noch den größten Unsinn zur Kunst erklärt.

Brandauer: Halt. Ein Gottesdienst ist das nicht, eher ein mafioses System. Man betreibt Theater als ideologische Zwangsbeglückung, leider oft am Publikum vorbei. Der Grund ist einfach: Wenn Sie ein großartiges Stück mit zehn schauspielerischen Begabungen inszenieren, kommen Sie als Regisseur nicht vor. Das ist für manche kränkend. Viele Schauspieler leiden zwar unter dem sogenannten Regietheater, aber sie würden sich nicht trauen, gegen den Trend anzureden. Man will ja arbeiten.

Welt: Inwiefern hat der Siegeszug des Effekt- und Regietheaters zu einer Verwahrlosung der handwerklichen Standards geführt?

Brandauer: Die Verwahrlosung könnte langsam einsetzen. Bis jetzt war die Ausbildung hervorragend, aber inzwischen höre ich, daß Schauspieler für die perfekte Beherrschung des Handwerks kritisiert werden. Man holt Fernsehstars ins Theater, um die Säle zu füllen, die schauspielerischen Standards gehen weiter nach unten. Nicht jeder Serienheld ist für eine klassische Rolle geeignet. [...]

Welt: Sie haben mal gesagt, das Theater müsse einen Bildungsauftrag wahrnehmen.

Brandauer: Na gut, die Leute sollten ja schon einiges wissen, wenn Sie zu uns kommen. Wir können den Bildungsauftrag nicht nachholen, aber wir sind die Leidtragenden eines grassierenden Mangels an Bildung. Leute lernen keine Gedichte mehr, sie lesen keine Romane, sie haben keine Vergleichsmöglichkeiten mehr. Hätten sie die, würden sie vielleicht so manches, was heute auf deutschen Bühnen stattfindet, rundweg ablehnen.

Welt: Ihr Ansatz wird von der Kritik als "konservativ" bezeichnet. Kränkt Sie das?

Brandauer: Für mich ist Theater in erster Linie Sprechtanz. Auf dem höchsten Niveau der Virtuosität Gedanken zu jonglieren, die allerdings auch die Ruhe bekommen, den Menschen zu erreichen, und zwar alle Anwesenden. Im Zentrum steht der Virtuose, ein großer Atem, ein großer Zuschnitt, große Textbehandlung, alles ausgerichtet auf den Inhalt. Das ist das, was ich mit Vergnügen gelernt habe. Das interessiert sogar in der Stille, bei der bloßen Lesung, es muß gar kein Event werden. Event kann sein, was sich aus dem Text ergibt. Wenn man das als konservativ bezeichnet, dann kränkt es mich nicht. [...]

Welt: Viele Schauspieler haben panische Angst vor dem Liebesentzug durch das Publikum und flüchten sich in Drogen.

Brandauer: Die Arbeit war mir nie eine Belastung. So, wie ich heute dastehe, habe ich mir das auch in den kühnsten Träumen nie vorstellen können. Der Journalist würde vielleicht lieber hören, wie ich leidend ums Burgtheater wandere aus Angst vor dem Scheitern in der "Nathan"-Inszenierung morgen abend, aber so ist es nun mal nicht. Nein, ich hab' mich gern, ich hab' mich sehr, sehr gern. [...]

Ich hatte halt oft das Gefühl, nur mit Leuten zusammenarbeiten zu wollen, die mehr wissen als ich. Ich bin jederzeit in der Lage, mich gut unterzuordnen. Ich bin ein ausgezeichnetes Ensemblemitglied.

Welt: Das glaubt Ihnen niemand.

Brandauer: Es ist aber wahr.

Welt: Haben Sie je herausgefunden, was das Geheimnis Ihrer Bühnenpräsenz ist?

Brandauer: Nein. Mittlerweile glaube ich daran, daß ich so etwas ausstrahle, weil man es mir immer wieder gesagt hat. Und so etwas glaubt man ja gern. Ich möchte kein verkannter Mensch sein. [...]

Welt: Gingen Sie zum Theater, um der Realität zu entkommen?

Brandauer: Nein, im Gegenteil. Ich wollte auffallen und sah da eine Möglichkeit. Flucht war es bestimmt nicht. Ich wollte ans Licht. [...]

Ich bin viel herumgeflogen, habe Mengen gelesen, saß im Zug, während meine Kollegen mit den Mädels herumgemacht haben. Spielte Hamlet in Wien, als ich gleichzeitig "Out of Africa" in Kenia drehte mit Löwen aus einem Zirkus in Los Angeles. Ich habe ein herrliches Leben.

14.6.06

Was weiß Kofi Annan?

Der Vergleich zwischen den Berichten in den Medien weltweit einerseits und einer einzigen Meldung der israelischen Botschaft andererseits zeigt: Israel verliert den PR-Krieg. So gut wie alle deutschen Zeitungen informieren:
UN-Generalsekretär Kofi Annan ließ in New York Zweifel an der offiziellen Darstellung Israels erkennen. "Dass an einem Strand eine Mine gelegen haben soll, ist ziemlich seltsam", sagte er auf eine Journalistenfrage.
So informiert das Deutschland-Radio, zum Beispiel. Genauso wird er auch in der israelischen Presse zitiert:

UN Secretary General Kofi Annan doubts the findings of an IDF inquiry into the Gaza beach shelling.

"The Israeli claim that the beach blast was caused by an explosive charge at the site sounds strange to me. I don't believe it is plausible that the Palestinians planted charges in a place where civilians often spend their time," Annan told the London-based Al-Hayat daily.

Annan said he would send a representative on his behalf to the region to investigate the Palestinian claims that an IDF shell killed the Ghalia family on the Gaza beach.

Annan called on Israel to "respect international law and human life", urging the IDF to operate at a distance from civilians. The secretary general also condemned the firing of Kassam rockets at Israel.
Und nur in der bescheidenen Meldung der israelischen Botschaft in Deutschland kann man nachlesen:

Diplomatischer Zwischenfall zwischen Israel und UN-Generalsekretär Kofi Annan: Annan forderte am Wochenende, den Tod der palästinensischen Familie am Strand von Gaza zu untersuchen.

Diplomatische Stellen der UNO teilten mit, dass Annan am Samstagabend Ministerpräsident Ehud Olmert anrief und darum bat, dass Israel angemessen und entsprechend internationalem Recht auf den Beschuss aus Gaza reagiert. Das ärgerte Olmert: „Entspricht denn der Abschuss von Hunderten Qassam-Raketen dem internationalen Recht? Warum haben Sie mich nicht angerufen, nachdem 300 Raketen auf Israel abgefeuert wurden und haben darum gebeten, diese Sache zu untersuchen?“ Annan antwortete, dass ihm dies nicht bewusst gewesen sei. Die Worte Annans stießen in politischen Kreisen und im Sicherheitsbereich auf Verwunderung.

Das Außenministerium beschloss, dass die israelische UNO-Delegation den Generalsekretär und den Dienst habenden Präsidenten des Sicherheitsrats ab sofort täglich über den palästinensischen Beschuss mit Qassam-Raketen informiert. In den letzten drei Tagen zum Beispiel schlugen 69 Qassam-Raketen ein. (Yedioth Ahronoth, 13.6.)
Die Quelle ist also eine israelische Zeitung. Warum wird diese Nachricht nicht weitergegeben? Warum sind es bis jetzt nur zwei Blogger, die die Meldung verarbeitet haben? (Das sind David Harnasch und Wolfram.)

Der einzige Journalist, der über die Blamage der israelischen "Medienoffensive" heute gesprochen hat, ist Ulrich W. Sahm:

Die Palästinenser erweisen sich als PR-Meister
Aber auch er erwähnt den Annan-Vorfall nicht. Warum?

13.6.06

Suchmaschinen für Blogger

Es ist immmer noch schwer, mit einer einzigen Suchmaschine alles zu finden. Auch beim Bloggen. Die Analyse von F!XMBR (Link) kann ich bestätigen. Google erfasst nur den Anfang eines Textes, und Technorati lässt sich oft nicht anpingen. Ich nehme zu der Google und Technorati noch Clusty.

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